PATRIOTEN
Nationalismus, Terror, Hass. Die Angst geht um in Europa.
Der Vorsitzende der Patriotisch Sozialen wurde ans Kreuz geschlagen. Den Nationalisten gibt das noch mehr Aufwind. Christliches Abendland gegen Islam. Was sind schon Fakten?
Hautnah erleben sie es mit: Frau Klein, die im Zweiten Weltkrieg ein Kind war. Herr Pribil, immer im Widerstand und plötzlich verliebt. Die Syrerin Sina, deren Mann verschwunden ist. Wech, David, Jennifer … ES hetzt in den sozialen Medien. Kann uns nur mehr ein neuer Führer retten?


€ [D/A/I] 22,–
ISBN 978-3-85256-725-9
E-Book ISBN 978-3-99037-070-4

Folio-Verlag, www.folioverlag.com

 

 

Medienstimmen zu PATRIOTEN:

Vielstimmig, vielschichtig – Rossmanns bester Roman.

Kurier

 

"Patrioten" von Eva Rossmann ist so etwas wie ein Buch zur Lage der Nation.

Westdeutscher Rundfunk

 

Eva Rossmann hat in ihrem Roman „Patrioten“ ein Experiment gewagt. Es ist gelungen.

Die Presse

 

Ein kurzer Wortwechsel sagt (fast) alles. „Man kann in 140 Zeichen nicht die Wahrheit sagen.“ – „Nein. Aber man kann in 140 Zeichen lügen.“

Kleine Zeitung

 

Mit dem Roman „Patrioten“ schafft es Rossmann, den Finger in die gesellschaftlichen Wunden Europas und Österreichs zu legen

noe.ORF.at

 

 

Gedanken zum Roman und seinen Themen

 

Patrioten und die Mira-Valensky-Serie:

Ich glaube, das Inhalt und Form zusammenpassen müssen. Und bei den wuchtigen Themen Angst, Verhetzung, Nationalismus, aber auch Sehnsucht nach Gemeinschaft schien es mir besser, sie aus den Blickwinkeln mehrerer, sehr unterschiedlicher Personen zu erzählen. Das macht die Gefahr der Besserwisserei auch geringer – Selbstgerechtigkeit gibt’s heutzutage eh mehr als genug.

Das Thema:

Spätestens im Bundespräsidentschaftswahlkampf war mir klar, dass ich an den Themen Hetze im Internet, Nationalismus, Angstmacherei nicht vorbeikann. Ich wollte auch darüber erzählen, wie schnell wir selbst anfangen, allen möglichen Unsinn zu glauben. Etwa die beunruhigend große Terrorgefahr durch Islamisten, und dass sie auch noch durch die Kriegsflüchtlinge gestiegen ist.  Wahr ist, dass es in den Siebzigerjahren deutlich mehr Terroranschläge in Europa gegeben hat – von rechts und links übrigens. Oder das Konstrukt der Spaltung der Gesellschaft: Nationalisten haben jedes Interesse, dass die Leute meinen, es gibt nur sie oder die anderen, bösen, fremden, Volksfeinde. In Wirklichkeit gibt’s sehr viele sehr unterschiedliche Menschen in unserem Land und das ist gut so. Lieber Vielfalt statt Einfalt, das ist das Motto, das man diesen Typen laut und fröhlich entgegensetzen sollte.

Das Feindbild EU:

Dazu kommt das Krankjammern der EU – klarerweise hat jemand, der spalten will, kein Interesse an einer Gemeinschaft. In Wirklichkeit ist es die beste Zukunftsperspektive, die wir haben. Und gerade wenn von Ängsten gesprochen wird: Was gibt es besseres, als sich zusammenzuschließen? Natürlich läuft nicht alles bestens, aber die Union ist sehr jung, es dauert, bis Staaten und Staatenbünde gefestigt sind. Ich wollte von Menschen erzählen, die dort arbeiten, nicht von Vorschriften und Feindbildern. Es gibt sie, die Visionen eines besseren, auch eines solidarischeren Europas. Es liegt an uns, sie Realität werden zu lassen. Nicht „die dort“ sind die EU, wir sind sie.

Motivation:

Dass wir Schreibende nichts anderes können und wohl auch wollen, als Geschichten zu erzählen, hat sich inzwischen herumgesprochen. Das ist bei mir nicht anders. Aber wenn ich anhand von Personen über Themen erzähle, die mit unserer Gesellschaft zu tun haben, wenn ich auch versuche, auch in fiktiven Texten Fakten statt Fakes zu vermitteln, dann habe ich die Hoffnung, dass es Menschen gibt, die darüber nachdenken. Die Schlüsse, die sie daraus ziehen, sind ihre Sache.

 

Patriotismus – Heimat:

Viele, die sich jetzt als „Patrioten“ bezeichnen vertreten einen ausschließenden Heimatbegriff. Die Heimat gehört uns, wir haben sie vor allen anderen zu schützen, und wer mit diesen anderen ist, der ist Vaterlandsverräter und daher auch unser Feind. Es ist ein nationalistisches, meist auch völkisches und hin und wieder religiös verbrämtes Konstrukt – und die Grundlage der meisten gewaltsamen Auseinandersetzungen. Natürlich kann es auch so etwas wie einen fröhlichen Patriotismus geben: Ich habe das Glück gehabt, in Österreich geboren worden zu sein, ich freue mich, in so einem Land leben zu dürfen und will dazu beitragen, dass es allen so geht. Ich sage immer, ich habe meine Heimat im Weinviertel gefunden. Ich habe sie mir selbst ausgesucht und das ist das Schöne: Ich möchte, dass jede und jeder seine Heimat frei wählen kann. So ist Heimat auch nicht Ausschließliches, Ausschließendes. Ich fühle mich als Weinviertlerin, Österreicherin, aber mindestens gleichstark auch als Europäerin.

 

Krieg und Flucht:

Meine Mutter ist ein Kriegskind. Krieg, Vertreibung, Flucht, Todesangst, Bomben und Waffen: So etwas gibt es nicht nur weit weg, weil die eben anders sind und nicht in Frieden leben können. Das hat es vor gar nicht langer Zeit auch bei uns gegeben, es ist Teil des Lebens von Menschen. Deswegen gibt es zwei wichtige Personen im Buch, die schon älter sind: Die Witwe Frau Klein, die sich in einer Pfarre engagiert und Herr Pribil, der als ganz junger Mann im Krieg desertiert ist. Die beiden verlieben sich ineinander. Ich habe mich das zu schreiben getraut, auch weil ich die späte Liebesgeschichte meiner Oma kenne. Sie hat mit über Achtzig einen ehemaligen Mitschüler wiedergetroffen, es war großartig, berührend, manchmal auch einfach lustig, wie sie miteinander umgegangen sind. Ja, und Frau Klein und Herr Pribil treffen unter anderem auf Sina, die aus Damaskus geflohen ist. Eine junge Frau mit Stärken und Schwächen, die sich versucht, wie wir alle auch, durchs Leben zu schlagen.

 

 

Gespräch zu PATRIOTEN

„Vielfalt ist besser als Einfalt“

 

 

Folio:

Nationalismus und Verhetzung sind präsente Themen. Europa oder gar die Europäische Union kommen in der Literatur aber selten vor. Warum?

 

Rossmann:

Es geht vielen Schreibenden wohl ähnlich wie vielen anderen Menschen: Sie haben nicht viel Zugang zur Union, die meisten verstehen sich einem Land oder einer Region zugehörig, sehen sich aber nicht als Europäerinnen oder Europäer.

 

Folio:

Wie ist das bei Ihnen?

 

Rossmann:

Ich hatte Glück, ich konnte früh ein europäisches Bewusstsein entwickeln. Nicht bloß, weil mir zuerst Graz und dann Österreich zu klein war, sondern auch weil ich beruflich sehr früh mit dem Europarat und dann mit der Europäischen Union zu tun hatte. Als junge Verfassungsjuristin im Bundeskanzleramt durfte ich an Ausschüssen des Europarats in Straßburg teilnehmen. Ich kann mich noch erinnern, wie stolz ich war, da für Österreich mitreden zu können. Und als ich dann politische Journalistin war, bin ich natürlich regelmäßig nach Brüssel gefahren. Ich hatte immer das Gefühl, ich bin bei einer Idee mit dabei, die wächst und die ein neues Europa erschaffen kann. Trotz aller Kinderkrankheiten und Fehlentwicklungen: Die EU ist erst am Anfang.

 

Folio:

Während andere ihren Untergang heraufbeschwören.

 

Rossmann:

Ja. Darum geht es in „Patrioten“ unter anderem. Warum tun sie das? Um selbst so viel Macht wie möglich zu haben. Wir haben es in vielen Ländern, nicht nur in Europa übrigens, mit politischen Mega-Egos zu tun, die über alle drüberfahren, die nicht ihrer Meinung sind. Und die allen ein elitäres Wir-Gefühl versprechen, die auf ihrer Seite sind. Das geht am einfachsten, in dem man den Menschen Angst einjagt. „Das böse Fremde“ werde sie zerstören, was immer das dann gerade im Detail ist. Minderheiten, Geflüchtete, Menschen anderer Religionen, es wird immer enger. Böse sind dann natürlich auch alle, die diese Meinung nicht teilen, weil sie sind dann „auf der anderen Seite“. So wird erklärt, warum man die Opposition im eigenen Land mundtot machen muss.

 

Folio:

Von der Spaltung der Gesellschaft ist immer wieder die Rede.

 

Rossmann:

Das soll uns eingeredet werden. In Wirklichkeit gibt es in jedem Land, in jeder Region, natürlich auch in ganz Europa sehr viele sehr unterschiedliche Menschen. Wir machen die Nationalisten stark, wenn wir sie als DEN und den einzigen Gegner sehen. Viel besser wäre es, sich mit den gemeinsamen Interessen und Anliegen der so unterschiedlichen Menschen zu beschäftigen. Und die gibt es. Jobs von denen man leben kann. Frieden. Die Chance, eigene Lebensentwürfe zu verwirklichen. Vielfalt ist besser als Einfalt.

 

Folio:

Sie glauben, die Europäische Union kann dem etwas entgegensetzen?

 

Rossmann:

WIR sind die Europäische Union. WIR können dem etwas entgegensetzen. Indem wir erkennen, dass dichte Handelsbeziehungen sinnvoll sind und Kriege unwahrscheinlicher machen, aber dass das nicht alles sein kann. Wir brauchen die viel stärkere soziale Vernetzung. Superreiche und Supermächtige brauchen kein Sozialgefüge, die können sich alles selbst richten. Aber wir Durchschnittsmenschen und erst recht solche mit schlechteren Startchancen brauchen den Zusammenhalt. Solidarität, übrigens auch über die europäischen Grenzen hinaus, sollte wieder sexy werden. Nicht als Almosen für die „Armen“, sondern als Konzept, das uns gemeinsam weiterbringt.

 

Folio:

Sollte man über solche Themen nicht eher ein Sachbuch schreiben?

 

Rossmann:

In einem Roman hat der erhobene Zeigefinger nichts verloren und vordergründige moralisch-politische Botschaften auch nicht. Das gefällt mir.

 

Folio:

Der Roman startet in Wien, streift Schauplätze in Europa und findet sein Finale im EU-Parlament in Brüssel. Ist Österreich der richtige Ausgangspunkt für einen Europa-Roman?

 

Rossmann:

Jeder Ort in Europa wäre der richtige Ausgangspunkt. Vielleicht ist Österreich sogar ein bisschen richtiger. Immerhin: Es ist schon einmal einer aus Österreich gekommen … Und mit einer meist recht erfolgreichen rechtsnationalistischen Partei haben wir es leider schon seit mehr als fünfundzwanzig Jahren zu tun.

 

Folio:

Ist in Zeiten wie diesen Politik ein literarisch verträgliches Thema? Haben wir nicht schon alle genug davon?

 

Rossmann:

Politik bestimmt die Rahmenbedingungen, in denen wir leben. Ich halte es für sinnvoll, mitzudenken – sonst bekommen wir womöglich europäische Trumpioten. Außerdem: Ich erzähle meine Geschichte aus den Blickwinkeln von ganz unterschiedlichen Menschen. Sie leben in unserer Welt, müssen sich mit den großen Themen, aber auch mit ihrem kleinen Leben auseinandersetzen. Sie begegnen einander, haben Hoffnungen und machen Fehler. Da ist auch Platz für eine gewisse Ironie. Weil wie sonst sollen wir und sie überleben?